Die Büchse der Pandora – Netzneutralität
Die Netzneutralität ist in aller Munde. Und weil es um ein Grundprinzip des Internets geht und im Moment kontrovers diskutiert wird, wollen wir das auch hier thematisieren. Worum geht es denn überhaupt? Es geht um die Spielregeln zwischen Zugangsanbieter (also Netzbetreiber wie die Telekom oder Vodafone) und den Serviceanbietern (also z. B. Google, Facebook, aber auch sämtliche andere Anbieter von Inhalten im Internet).
Das Internet verhält sich seit jeher neutral. Daten zwischen den Serviceanbietern und den Menschen werden unabhängig davon, woher sie kommen, gleich behandelt. Egal ob ich gerade die Suchergebnisse bei Google abrufe oder die Nachrichten auf privaten Blogs lese, der Netzbetreiber macht keinen Unterschied. Die Daten werden so schnell abgerufen, wie vom Serviceanbieter zur Verfügung gestellt. Das kann von Serviceanbietern nicht beeinflusst werden.
Nun sagen die Netzbetreiber, dass sich das Internet zu schnell weiterentwickelt. Es müssen immer mehr Inhalte in immer kürzerer Zeit abrufbar sein. Ich kann mich noch an Zeiten früher erinnern, als ich mich mit 2.400 Baud in Mailboxen eingewählt hatte. Das Internet in der Form gab es damals noch nicht. Das ist aber noch gar nicht so lange her und man kann eigentlich darüber lachen, wenn ich als junger Mensch von “früher” und “damals” rede. 2.400 Baud entsprechen ca. 5.500 Bit pro Sekunde, also 5,5 Kbit/S. Ein paar Jahre später, das Internet hat die Zeiten des Analogmodems hinter sich gelassen, waren wir schon mit 64 Kbit/S über ISDN im Internet. Mittlerweile ist DSL das Maß aller Dinge mit einem bis 16 Mbit/S. Das ist ganz ungefähr 250x so schnell.
Ich schweife ab. Was ich sagen möchte ist, dass die Technik sich rasant entwickelt hat. Netzbetreiber müssen mit jeder Innovation besser werden, gleichzeitig befinden sie sich in einem sehr hart umkämpften Wettbewerb und müssen sich auch preislich immer weiter unterbieten. Die Zeiten in denen minutenweise die Internetnutzung abgerechnet wurde liegen schon lange hinter uns. So kommt es, dass Netzbetreiber sich Gedanken machen müssen, wie sie neue Einnahmenquellen schaffen können. Denn die Verbraucher sind wohl nicht bereit mehr Geld für den Internetzugang auszugeben.
Die Netzbetreiber sind dabei die Büchse der Pandora zu öffnen und den Verbrauchern das Schlechte zuzumuten in ihrer eigenen Hoffnung wieder mehr Gewinn machen zu können. Die Netzneutralität ist ernsthaft in Gefahr. Die Serviceanbieter verdienen nämlich durchaus sehr viel Geld im Internet. Manchmal mehr und manchmal weniger. Die Netzbetreiber wollen von diesem Kuchen etwas ab haben. Also wollen sie große Serviceanbieter zur Kasse bitten. Die Spielregel: “Du gibst mir Geld und ich sorge dafür, dass deine Daten schneller beim Konsumenten sind”. Das hätte Folgen. Die Großen könnten Netzbetreiber finanzieren, kleinere Serviceanbieter blieben auf der Strecke. Der natürliche Wettbewerb wäre aufgehoben. Das Grundprinzip des Internets, dass alle Inhalte grundsätzlich gleichberechtigt sind, wäre überholt. Die bisherigen Möglichkeiten, auch für kleine Serviceanbieter, ohne technische Hindernisse alle Internetbesucher gleichermaßen erreichen zu können, würden eingeschränkt werden.
Wer mehr bezahlt, könnte sich einen signifikanten Vorteil gegenüber Konkurrenten verschaffen. Überspitzt könnte Google einfach mehr zahlen als Microsoft und dafür sorgen, dass Google-Suchergebnisse favorisiert über die Datenleitung geschickt werden, als die gleichen Ergebnisse von Bing.
Und das hätte Folgen. Die bisherige Innovationsgeschwindigkeit des Internets, durch die technische Einfachheit und der Freiheit der Inhalte, wäre in Gefahr und würde verlangsamt werden. Es wäre eine Markteinstiegsbarriere für neue Serviceanbieter. Deswegen darf die Netzneutralität nicht gefährdet werden.










