Am Morgen danach wache ich viel zu früh auf und frage mich: war das alles nur ein Traum? Ich brauche nur eine gefühlte Sekunde um mich ziemlich genau zu erinnern. Und um festzustellen, dass es kein Traum war.
Begonnen hatte zur Mittagszeit alles mit einem Poltern und Klopfen im Treppenhaus. Und mit der Feuerwehr, die plötzlich in unserem Büro stand und sagte: Feuer, alle raus!
Schnell war klar, es handelt sich um einen Elektrobrand im 5. OG unseres Hauses, direkt unter dem Dach. Verletzt wurde niemand, die Feuerwehr war von unseren Kanzlei-Kollegen im 4. OG rechtzeitig informiert worden und binnen 5 Minuten am Ort. Der Brand war noch sehr klein. Also alles kein Grund zur Sorge, in ein bis zwei Stunden können wir weiterarbeiten.
Um die Zeit sinnvoll zu nutzen, entschieden wir uns, unsere Mitarbeiter beim gegenüberliegenden Italiener zum Mittagessen einzuladen. Und während wir saßen in fröhlicher Runde (“Jetzt brennt´s in der Agentur mal wirklich”) stieg langsam etwas Unsicherheit in uns auf. Warum qualmte der Dachstock immer noch? Warum kommen immer mehr Feuerwehrleute? Warum pumpen die mit sechs, sieben Feuerwehrschläuchen Unmengen an Wasser da oben rein?
Durch die Nähe zur Feuerwehr und die fachkundige Info unserer Mitmieter und Kunden Arcass Architekten, wurde der Grund bekannt: durch die Dachkonstruktion ist es für die Feuerwehr unheimlich schwer, den Brand in den Griff zu bekommen. Als Laie verstand ich das so, dass im DG erst eine Gipswand, dann Holz, dann Aluminium dann Dämmstoffe und zum Schluss noch einmal das Kupferdach kommen. Und durch die zwei Metallschicken konnten die Feuerwehrleute nicht an den eigentlichen Brandherd kommen. Am Ende wird mit massivem Arbeitsmaterial von innen und außen das Dach aufgerissen. Doch das zieht sich alles und Sekunde für Sekunde rauscht das Wasser ins DG unseres Bürohauses.
Nicht einmal zwei Stunden später tropft es in unserem Büro zwei Stockwerke darunter heftig von der Decke. Und es wird immer mehr. Wir drei Geschäftsführer bleiben im Büro und machen Schadensbekämpfung: Alle Eimer, Blumentöpfe, Lappen, Papiertücher… alles muss herhalten, um die Wassermassen etwas zu stoppen. Wir kippen alle paar Minuten riesige Eimer in den Abfluss… doch es werden immer mehr Stellen. Die Decken verfärben sich komplett, alles feucht, überall tropft es. Wasser ist ein unaufhaltsamer Gegner.
Als es dunkel wird und weiterhin kein Ende in Sicht, entscheiden wir uns für eine erste Krisensitzung. Mittlerweile gibt es Gerüchte, so eine Renovierung (vielleicht eher Sanierung) kann Wochen oder gar Monate dauern. Im Moment weiß das keiner, aber wir haben dafür Sorge zu tragen, dass unser Geschäft möglichst am nächsten Morgen weiter läuft. Nur wie, ohne Büro?
Der Plan für die ersten Stunden steht schnell: die wichtigsten Server werden zu Glenn Kusardi, unserem Technikchef, transportiert. Er wird sich in der Nacht darum kümmern, dass am Morgen alle Mitarbeiter von zu Hause aus auf ein paar Daten zugreifen können, um zumindest die wichtigsten, fast hätte ich “brennensten” Dinge gesagt, erledigen zu können. Ich selbst informiere Kunden und Mitarbeiter und mache mich an Abstimmung mit unserem Vermieter und Versicherer, der Allianz.
Ist das alles eine Katastrophe für uns? Sicher nicht, es hätte weitaus schlimmer kommen können. Und nun haben wir die Gelegenheit, uns als gute Unternehmer und Krisenmanager zu beweisen. Ein erstklassiges Team haben wir dafür. Also: Let´s do it!
Links dazu:
Bericht in der Stuttgarter Zeitung
Bericht mit Film der Stuttgarter Nachrichten
Bericht in der Bild